Dezentrale Trocknung und Wirbelschichtverbrennung von Schlämmen – Besonders für kleine und mittlere Anlagen  - ein Thema in Rostock

Erste Haustagung bei der Firma ROSOMA mit hoher Resonanz

 Rostock Mit einer ungewöhnlichen hohen Anzahl von Teilnehmern fand am 08.05.07 die 1. Haustagung zum Thema Trocknung/ Wirbelschichtverbrennung im Hause ROSOMA statt. Neben Vorträgen zu der Thematik  konnten die Besucher auch einen Trockner in der Produktion besichtigen, ferner noch die Technikumsanlage Wirbelschichtverbrennung der Uni Rostock, Institut für Energie- und Umwelttechnik. Besonders Interessierte schauten sich noch die Wirbelschichtverbrennungsanlage (SWSF) der Deponieanlage  in Röntgendorf an, während im Nachgang einige Interessierte in Rostock konkrete Projekte mit den Firmenvertretern der ROSOMA und ES+ S besprachen. Die Mischung aus Praxis und Theorie wurde bei dem Fachpublikum sehr gut aufgenommen.

Nach einer allgemeinen Einführung verwies Herr Dr. Paust (PRO – Entec east GmbH) auf die derzeitige gesetzliche Lage zur Nutzung von Klärschlamm in der Landwirtschaft. Derzeit gelte noch die AbfKlärV, die aber wohl dieses oder spätestens nächstes Jahr durch die vorgelegte Neuregelung des BMU abgelöst wird. Dies habe zur Konsequenz, dass mindestens 50 % aller Kläranlagen, die bisher landwirtschaftlich ihren Schlamm entsorgen konnten,  sich eine andere Alternative ausdenken müssten. Dies könne z.B. eine dezentrale Monoverbrennung sein, so Dr. Paust.

 

Nun übernahm Herr Langpohl mit seinem Vortrag den Staffelstab. Er verwies auf die Historie der Einführung der Trocknung bei der Fa. ROSOMA, die Ende 2003 begann. Nachdem man mit Einverständnis des Lizenzgebers die erste Trocknungsanlage mit einer Verdampferleistung von 2.000 l/h mehr oder wenig einer vorhandenen Anlage in Rotenburg/ Fulda nachgebaut habe, stecken in den Konzeptionen der jetzt zu bauenden Trocknern so starke Verbesserungen, dass die neue Generation mit den alten nichts mehr zu tun hat.

Das erläuterte Herr Langpohl an dem aktuell zu fertigenden Trockner, der Bestandteil einer Biogasanlage werden und mit dem Abgas eines vorhandenen BHKW´s thermisch versorgt wird. Auch das stelle eine Neuerung der Technologie dar.

Gestärkt würde das Streben nach Effizienz und Innovation durch die Tatsache, dass ROSOMA einen Forschungsauftrag erhalten habe, ein System in der Kombination Trocknung und SWSF zu errichten und deren Funktionstüchtigkeit unter den rauen alltäglichen Bedingungen zu testen. Gestützt werden die forschenden Bemühungen durch Herrn Dr. Buchholz als Repräsentant der Energie und Umweltberatung e.V. Neben Rostock könnte in Zukunft noch die Uni Wismar mit in die Kooperation einbezogen werden. Herr Langpohl zeigte sich hocherfreut über diese Entwicklung.

Weiter ging der Staffelstab an Herrn Spiegelberg, der in die theoretischen Grundlagen der Wirbelschichtverbrennung (SWSF) einführte. Er betonte, dass die hier vorliegende Technik kein scale down von größeren Wirbelschichtanlagen sei, sondern eine spezielle Entwicklung für kleine und mittlere Verbrennungsaufgaben. Neben anderen wichtigen Unterscheidungsmerkmalen (so z.B. einen  nicht ausgemauerten Brennerraum) verwies Herr Spiegelberg auf die für Wirbelschichtverbrennungsanlagen ungewöhnlich hohe Verweilzeit von über 10 sec, die bei „normalen“ Anlagen gerade mal über 2 sec läge. Neben dem exakten Temperaturfenster von nur 0,6 °C um die gewählte Verbrennungstemperatur von z.B. 850 °C bedeute dies für die Rauchgasentwicklung für nahezu alle Schadstoffparameter sehr niedrige Abgaswerte. Das habe wiederum zur Folge, dass die Rauchgasbehandlung nicht so groß dimensioniert werden muss, wie bei anderen Wirbelschichtverfahren.

 

Ein weiteres Plus einer solchen SWSF – Anlage sei die hohe Verfügbarkeit von garantiert 8.000 h/a, wie sich an der Anlage in Röntgendorf zeigte. Nicht verfahrenstechnische Gründe waren Ursache für Ausfälle bei der SWSF, sondern äußere Umstände wie z.B. Druckluftschwankungen im Deponiekörper oder Stromausfälle in der externen Energieversorgung.

Eine Folie mit den Preisen für eine dezentrale Anlage wurde besonders lange diskutiert. Hier schwanken die Preise von 60,00 €/t bis 26,00 €/t Klärschlamm von kleinen bis mittleren Anlagen (2.500 t/a bis 25.000 t/a Originalsubstanz mit einem TS von 25 %). ES+S und ROSOMA sind sich einig, dass Lösungen für größere Mengen an Schlamm zu individuell vom Kundenwunsch abhängen, so dass eine zuverläßliche Preisabschätzung nicht mehr seriös erscheint. 

Zusammenfassend referierte Herr Spiegelberg die Vorzüge einer Anlagenkombination Trocknung/ SWSF:

·       Konzeption für kleine und mittlere Anlagen

·       Verbrennung von Rechen- und Sandfanggut

·       Nutzung von Klärgas (statt abfackeln)

·       Optional Stromerzeugung möglich

·       Hohe Verfügbarkeit bei langen Standzeiten

·       Relativ geringe An- und Abfahrzeiten (kleiner einen Tag)

·       Flexibler Trocknungsgrad einstellbar

·       Fernüberwachung der Anlage

·       Exakte Temperaturführung bei der Verbrennung

·       Keine Bettaschen, nur Flugasche

 

Nach einem gemütlichen und sättigenden Mittagsessen mit zahlreichen Diskussionen fuhr man gemeinsam zur Technikumsanlage der Uni Rostock, Institut für Energie und Umwelttechnik. Die Teilnehmer wurden von Dr. Wolf empfangen, der die Technik und die Möglichkeiten der Testanlage erläuterte.

 In der SWSF können von gasförmigen, pastösen, flüssigen bis hin zu festen Stoffe alle kalorisch einigermaßen verwendbaren Stoffe zur Verbrennung genutzt werden.

 Neben den gasförmigen Bestandteilen wie die Gase CO2 , CO, H2S, HCl, HF etc. können auch eventuell zurückbleibende organische Verbindungen per Massenspektrometer bestimmt werden. Herr Dr. Wolf verwies auf die flammenlose Verbrennung und erwähnte seinerseits nochmals die exakte Verbrennungstemperatur bei dem Prozess. Gegenüber Rostfeuerungen können keine „Verpuffungen“ bei erhöhter Zufuhr von Brennstoffen eintreten. Dies sei möglich, da der Brennstoffgehalt in dem Sandbett nur etwa 2 % betrage, daher sei so etwas nicht möglich. Die Teilnehmer informierten sich dann in kleinen Gruppen zu Einzelheiten der Anlage.

In seinem Vortrag und auch bei der Besichtigung der Technikumsanlage verwies Herr Spiegelberg darauf, dass diese Anlagen nach der 17. BImSchG zu genehmigen sei. Das die darin enthalten Abgasnornen deutlich unterschritten werden, sei kein Thema. Es bedürfe aber für die Genehmigung eines genehmigungsfähigen Standortes, der z.B. in einem ausgewiesenen Industriegebiet zu finden sei. Ansonsten müsse man den Standort „genehmigungsfähig“ machen.

Nach der Führung trennte man sich. Einige der Interessenten fuhren mit Herrn Polaszewski von der ES+S zu der Anlage in Röntgendorf und verschafften sich dort einen lebendigen Eindruck, andere fuhren wegen ihres langen Anfahrtsweges nach Hause und eine dritte Gruppe kehrte zu konkreten Verhandlungen zur ROSOMA zurück.

Herr Langpohl (ROSOMA) und Herr Spiegelberg (ES+S) waren mit der Veranstaltung hoch zufrieden und kündigten an, das wahrscheinlich noch in diesem Jahr eine zweite Tagung folgen werde.

Dr. Thomas Paust

PRO-Entec east GmbH
info@pro-enteceast.de